Montag, 29. August 2011

Der plötzliche Richtungswechsel und andere Mopseigenheiten

Ich hatte ja schon mal angekündigt, dass ich über meine Spezialität bzw. deren Abwesenheit – den plötzlichen Richtungswechsel – schreiben werde. Aber erst mal alles in der richtigen Reihenfolge …

Wie die Menschen, muss auch ein kleiner Mops wie ich wissen wo es im Leben lang geht. Wenn damit in meinem Fall auch erst  mal meine Gassistrecken gemeint sind. Gassistrecken haben wir viele – lange, kurze, anstrengende und sehr angenehme wenn´s zum Beispiel am Hundeshop vorbeigeht. Dort machen wir immer Halt oder sagen wir es einmal so: Ich mache Halt und suche mir drinnen was aus!
Ansonsten muss ein Mops schon vor dem Gassi gehen einen Plan in seinem Mopsgehirn haben, wo es dann langgeht. Denn unsere Dosenöffner – naja. Die laufen halt so, irgendwie und haben wenig Ahnung wie es uns so beliebt. Sie denken einfach, eine Gassistrecke ist so wie die andere – weit gefehlt!
Sofern ich vorher keine Zeit zum Nachdenken hatte, wird der Gassiplan echt dringend sobald es Zeichen gibt dass wir ausgehen. Zeichen sind: „Sie“ schmiert sich irgendwas ins Gesicht, das sie „Make-up“ nennt, was aber meiner Meinung nach vollkommen unnötig ist (wie so vieles, seufz) oder – gegen später – wenn sie sich dann einfach nur die Lippen mit so einem Ding nachzieht, das ich liebend gerne in meiner Schnauze davontrage – falls ich es erwische. Ich glaube man nennt es Lippenstift, echt cool zum Spielen. Oder aber sie zieht sich ihre Schuhe an – dann ist aber Eile mit dem Gassiplan geboten! Vor allem weil ich ja noch meinen Gassinavigator in meinem Gehirn programieren muss, damit uns beim Spazierengehen kein Fehler unterläuft.
Dann durchqueren wir unseren Garten, kommen zur Haustüre und sie denkt wir laufen nach links, Richtung kleiner Park. Hehe, falsch gedacht. Falsch gedacht sieht so aus, dass ich mich erst mal an der Tür hinsetze. Und sitzen bleibe. Nämlich so lange, bis wir nach rechts laufen, so wie es in meinem Navi gemäß Gassiplan gespeichert ist.  Na also, geht doch .. und dann laufen wir. Rechts, rechts, geradeaus, links. Bis zum großen Park! Prima geht das und sie merkt noch nicht einmal, dass sie da eigentlich gar nicht hin wollte … 1:0 für mich!
Im Park laufen wir normalerweise hoch, dann auf der anderen Seite wieder runter. Aber sie weiß nie so ganz genau, auf welcher Seite es hoch geht und auf welcher runter .. in der Variation liegt die Würze. Seufzend läuft sie geduldig hinter mir her ..
Und dann geht’s auf die inoffizielle Hundewiese, dies aber nur wenn die Aufpasser vom Ordnungsamt nicht da sind. Auf der Wiese treffe ich dann meine Kumpels .. und los geht’s mit der Rennerei. Echt cool. Sie kann in der Zwischenzeit eine Zigarette rauchen, quatschen und sich von meinen Richtungskämpfen erholen. So haben wir beide was davon.
Dann geht’s nach Hause, selbstverständlich erst dann wenn ich dazu bereit bin. Termine? Arbeit? Wer redet denn davon? Aber irgendwann mal gehen auch meine Kumpels nach Hause, also wird es Zeit .. sie denkt, wir gehen auf dem Heimweg an der Bäckerei vorbei. Ich denke, wir gehen eher in eine andere Richtung, also geht’s in die andere Richtung. Sag ich es doch … Bäckereien gibt’s in unserem Kiez an jeder Ecke, wir werden schon eine finden.
Der plötzliche Richtungswechsel trifft uns dann, wenn sie –wie immer leicht abwesend oder eben mit verzögerter Reaktion, meine Güte- auf einmal denkt dass sie noch hier oder dort kurz vorbei schauen  müsste. Kurz vorbei schauen? Wie sieht es eigentlich mit ihrem eigenen Gassiplan aus, aber dann wieder … zugegebenerweise hat sie dafür kaum Gelegenheit.

Auch andere Kreaturen haben Probleme mit dem plötzlichen Richtungswechsel ...

Sie wechselt also die Richtung .. ich wechsle nicht mit. Ich stehe da und die Flexileine zieht sich und zieht sich .. bei 8 m stoppt sie und dann merkt meine leicht abwesende Dosenöffnerin, dass ich immer noch da stehe, bewegungslos, darauf wartend dass sie zurück kommt und wir in die von mir ausgewählte Richtung gehen. Ich setzte mich schon mal hin, was ihrer Meinung nach „Bocken“ ist. Ich denke aber es ist ein weiser Entschluss bevor es wieder endlose Diskussionen über die Richtung gibt, denn das kann dauern ..
„Carlos, steh auf … weiter geht’s“. Ich kann aber nicht oder sagen wir es mal so, ich will nicht. Alles was „plötzlich“ ist, kann nicht gut gehen. Initiativer Richtungswechsel mag mit Schäferhunden klappen oder mit Pferden. Nicht mit einem Mops.

Und so diskutieren wir noch so ein bisschen rum, sie versucht mich zu locken und mir ihre ausgewählte Richtung aufzuschwatzen. Aber nicht mal ein Leckerli lässt mich die enorm wichtige Bedeutung des plötzlichen Richtungswechsels einsehen. Enorm wichtig ist es eher für sie, für mich dann weniger, denn der Gassinavigator in meinem Gehirn sagt: Rechts und nicht links ..

Und meistens einigen wir uns dann, es geht selbstverständlich nach rechts. Soweit für den plötzlichen Richtungswechsel, denke ich mir noch und bemühe mich, fröhlich hüpfend vor ihr herzulaufen, immer darauf bedacht als Erster die Richtung einzuschlagen die mir genehm ist, damit es nicht wieder zu unerfreulichen Diskussionen kommt …
So sind wir, die Möpse - immer auf Harmonie und Frieden zwischen Mops und Dosenöffner beim Gassi bedacht.

Liebe Grüsse sendet Euch
Carlos Santana