Na, so jemanden habe ich in meinem Haushalt! Der Angesprochene ist ca. 10 kg schwer (na gut, 9,4 um der Wahrheit gerecht zu werden), hat vier kleine aber wuselige Beinchen und einen recht stämmigen Körper, Farbe beige, zwei schwarze Ohren, viele Falten im kleinen Gesicht, obwohl jung und dynamisch und ein doppelt geringeltes Schwänzchen.
Ein Mops-Gschaftlhuber hat immer eine Mission, ob zu Hause oder draußen in der Welt. Niemals, außer wenn er in Morpheus´ Armen ruht wird er untätig da sitzen oder sich langweilen. Es gibt so viel zu tun, packen wir es an!
Die Spielzeugkiste .. mit einem eleganten Schwenker des Mopshinterns wird darauf zugeeilt, hinein geschaut, dann wird sie gnadenlos ausgeräumt. Das Spielzeug fliegt im Zimmer herum und liegt dann überall. Inzwischen weiß ich: sofortige Aufräumaktionen sind sinnlos – sonst fängt die gschaftlhuberische Aktion wieder von vorne an. Also stolpern wir einige Stunden über Mopsspielzeug. Dies kann besonders nachts schmerzhaft sein, wenn man auf dem Weg zu einem gewissen Örtchen auf einen harten oder spitzen Gegenstand tritt. Gruselig ist auch, wenn man bei dieser Gelegenheit vergessen hat dass das Quietschehähnchen oder der gröhlende Ball genau in der Einflugschneise zum Badezimmer liegen geblieben ist. Es definiert sich bei diesen Gelegenheiten auch der Begriff „Huf“ ganz neu. Wer einmal des Nachts auf einen Kau-Huf getreten ist und dieser sich dann, ganz Huf, auf dem eigenen nackten Fuß festgesetzt hat, weiß nun wie Pferde sich fühlen mögen – aua, aua!
Ansonsten hat der mopsige Gschaftlhuber sein Näschen einfach überall drin! Man kocht .. wer sitzt genau daneben und beobachtet und überwacht diesen interessanten Vorgang? Man räumt die Geschirrspülmaschine oder Waschmaschine aus – wer hilft freudig mit, obwohl diese Hilfsbereitschaft nicht wirklich gewünscht wird? Wer beteiligt sich aufgeregt hechelnd beim Wohnungsputz und ist dabei ungemein nützlich? Wer begleitet einen freudig bellend zum Müllcontainer und macht die gesamte Nachbarschaft darauf aufmerksam, dass man gerade mindestens 5 Weinflaschen diskret entsorgen möchte? Für einen ernsthaften Mops-Gschaftlhuber gibt es in einem Haushalt ungemein viele Aufgaben zu verrichten!
Draußen in der Welt sieht es nicht anders aus!
Ein an seiner Umwelt höchst interessierter Mops-Gschaftlhuber wird sich weder von Sonne, Regen oder Schnee davon abhalten lassen, seine Umwelt ebenfalls höchst freudig und geschäftig hechelnd in Ordnung zu bringen! „Hat der Hund was, weil er so hechelt?“ „Nö, nicht wirklich – er ist nur mit der Organisation des Alltages im Kiez zum Wohle der Allgemeinheit beschäftigt“!
Oh, die Müllmänner fahren heran! Eine willkommene Gelegenheit, ihnen unter furchtbarem Bellen für ihre Arbeit zu danken! So ganz präzise kommt dieser Dank nicht an, aber die Müllmänner sind ja auch selten mit hundepsychologischer Begabung gesegnet. Hund = Deutsch = Hund ist eine schwierige Fremdsprache! Nebenbei wird noch versucht, den organisatorischen Ablauf des Entleerens der Müllcontainer zu verbessern, aber auch hier wird nicht auf Mops gehört! Sehr frustrierend ..
Ein demnächst in Berlin gastierender Circus hat sich erdreistet, Werbeschilder in jeder Straße anzubringen. Das geht ja nun gar nicht! Erst einmal wird natürlich jedes einzelne Schild entsprechend markiert, schließlich ist es ja Carlos Eigentum. Danach wird es kräftig verbellt, wer weiß ob die Zirkusleute sich die Erlaubnis zum Anbringen der Schilder eingeholt haben. Auf jeden Fall haben sie es versäumt, Carlos deswegen zu konsultieren – ein schweres Vergehen, das natürlich sofort entsprechend geahndet wird!
Weiter geht’s im Kiez – Vor dem Hundeshop stehen neuerdings Näpfe mit Trockenfutter und Wasser, um vorbeiziehende Hundepassanten auf das Angebot aufmerksam zu machen. Auch ein Fall für „Mops, übernehmen Sie“! Misstrauisch und höchst alarmiert wird geschnuppert. Trockenfutter ist nicht Carlos Fall und daher wird erst mal richtig protestiert. Eigentlich ist der Hundeshop ja Carlos Lieblingsort, aber bitte nicht so dass andere Hunde etwas davon haben! Der mopseigene Gerechtigkeitssinn nimmt seinen Lauf .. abgelenkt wird Carlos von seiner Protestaktion erst weil wieder etwas Ungeheuerliches passiert!
Dürfen Cafés auf dem Bürgersteig Stühle und Tische aufstellen? Nach Ansicht des Mops-Gschaftlhubers nicht! Daher wird auch gleich ordnungsamtsmäßig und höchst alarmiert dem Cafébesitzer Bescheid gesagt. Der kümmert sich wenig um Mops und macht einfach unbeeindruckt weiter. Die so öffentlich untergrabene Mopsautorität wird von Carlos als schwerer Affront verstanden – nach einem letzten Beller dreht er ab. Andere wichtige Missionen und Aufgaben warten!
Es gilt, die an- und abfahrenden Busse an der Haltestelle besser zu organisieren! Eine lebenswichtige Aufgabe, muss Mops doch auch die Sicherheit aller Kiezbewohner garantieren. Das gleiche gilt für die nahe S-Bahn .. Mops ist höchst unzufrieden mit dem Service der BVG, aber damit steht er nicht alleine in Berlin! Als letztmalige Warnung pieselt Carlos diesmal besonders lange an die Ecke der S-Bahnstation! So! Eine gerechte Strafe für die BVG!
Dann muss noch die Ampelanlage an der Hauptkreuzung inspiziert werden, Carlos lässt sich von niemandem und nichts ablenken! Auch wieder so eine Mission zum Wohle der Allgemeinheit und auch hier gibt es Verbesserungsvorschläge von Mops, die laut bellend vorgebracht werden. Fahrräder auf dem Bügersteig? Carlos versucht, sich an den entsprechenden Paragraphen der Verkehrsordnung zu erinnern, aber der Fahrradfahrer ist schon weg .. Bei Rot über die Ampel laufen? Also, wirklich ..
Endlich erreichen wir den Park und Mops kann seinen missionarischen Eifer erst einmal ablegen und ganz Hund sein. Wenn da nicht die Leute wären, die auf dem Rasen liegen, Gitarre spielen, essen und trinken! Schon wieder in einer Mission als Gschaftlhuber unterwegs … Einem Pudel wäre das alles wohl nicht passiert.