Geneigter Leser, nun habe ich Dich sehr vernachlässigt. Es war eine schwierige Woche und sie hat ihr Opfer gefunden; meine Tippse litt unter einer schweren Grippe und diversen kleineren und größeren eingebildeten Krankheiten, die ich – ganz der verständnisvolle Mops – mit Streicheleinheiten und gemeinsamen gemütlichen Schläfchen auf der Couch quittierte. Sage einer ich hätte ein leichtes Leben …
Und so gab ich mich, ganz der Philosoph der ich bin, tiefen Gedanken hin und nahm die Gelegenheit wahr mich mit meinem Hobby, der Literatur zu beschäftigen, immer mit einem Auge auf dem schniefenden Haufen der da auf der Couch lag und hustete. Meine Hauptsorge war ob dieser jämmerliche Haufen jemals wieder den Weg zu meinem türkischen Schlachter einschlagen wird, sagen wir einmal zu mindestens in absehbarer Zeit oder ob ich mich, eigentlich Mopsgourmet nun weiterhin von Eingefrorenem und Aufgetautem ernähren muss? Zugegeben eine existentielle Sorge die die Unbekümmertheit in mir, dem lustigen kleinen Mops auf eine schwere Probe stellte.
Denn wie sagte schon mein Idol, Shakespeare? „Zweifel sind Verräter, sie rauben uns was wir gewinnen können, wenn wir nur einen Versuch wagen“. William war cool, und er erfüllt meine Neigung zu allem Britischen, die mir schon im zarten Alter in die Mopswiege gelegt wurde.
Und da mein üblicher Tagesablauf nun schon einmal so rüde unterbrochen war, abgesehen davon dass ich auf meinen üblichen langen Läufen bestand und dies durch entsprechendes Mopsbocken auch durchsetzte obwohl der schniefende, nun aufrecht gehende Haufen davon nicht wirklich entzückt war und um Gnade flehte … wurde mir bewusst dass meine Lieblingszeit, der Herbst angekommen ist.
Welche Freude, welche Lust erfasst mich wenn ich mich auf große Laubhaufen im Park werfen kann, raschelnde Blätter einer Farbe die mir bisher niemals ins Mopsauge sprang aber wohl Ausdruck meines geistigen und sonstigen Wachstums, leider auch was mein Alter betrifft darstellt. Denn als junger Mops, abgelenkt von den Freuden eines Spaziergangs und des sorgenfreien Zusammenseins mit Hundekumpeln aller Art achtet mops nicht darauf wie die jeweilige Jahreszeit Gottes Natur verändert. Nun geläutert durch das Rasen der Zeit wird mir bewusst wie die Jahreszeiten sich in Farben und Gerüchen, Temperatur und das jähe Anbrechen der Dunkelheit ausdrückt, viel zu früh in meinen Augen weil sich der schniefende Haufen weigert des Nachts den Park zu betreten.
Und so richte ich meine philosophischen Gedanken nicht nur auf die Veränderungen in meiner unmittelbaren Umgebung sondern auch auf meine Zukunft, denn, nun erwachsen, sollte ich ein Lebensziel anvisieren das mich des Abends mit Zuversicht und Zufriedenheit auf meiner Couch zurücklehnen lässt, immer in dem Bewusstsein dass es ein guter, ausgefüllter Mopstag war.
Nachdem die Berliner Wahlen zwar zu Gunsten meines schniefenden Haufens, aber leider zu Ungunsten was meine verehrte Renate (man erinnere sich, lieber Leser) ausgegangen sind, erfüllt mich der Gedanke dass eines meiner Lebensziele ein weiteres Engagement in der Kommunalpolitik meines Kiezes sein sollte. Da schon reichlich ausgelastet mit profanen Wach- und Belldiensten zum Wohle meiner Mitbürger, eine schwere Bürde wie ich schon des Öfteren bemerken durfte, richtet sich mein Augenmerk eher auf eine ruhige Schreibtischtätigkeit, die mir den beschwerlichen Umgang mit potentiellen Verbrechern und deren Opfern des Nachts in Schöneberg erleichtern soll.
Erst gestern Abend gelang es mir, die allgemeine Aufmerksamkeit in einem Restaurant auf einen dieser potentiellen Täter zu richten, dies durch exzessives Bellen und trotzigem Aufstampfen meiner kleinen Mopsfüße, leider begleitet von ordinärem Spucken was - zugegebenerweise -einen kleinen Faux Pas darstellt und mir im Nachhinein auch sehr leid tut. Allerdings habe ich durch diese mopstypische Beharrlichkeit erreicht dass dieser potentielle Täter, eine ausgesprochene Bedrohung für unseren friedlichen Kiez nun für sein weiteres Leben in Schöneberg gebrandmarkt sein wird. Die Restaurantleiterin war mir äußerst dankbar für meinen dezenten Hinweis, wenn auch eine Bemerkung, an meinen schniefenden Haufen gerichtet nicht wirklich förderlich für mein weiteres Engagement zum Wohle meiner Mitbürger war. Aber ein wirklicher Gutmops lässt sich von jeglicher unangebrachter und ungewollter Kritik nicht von seinen Zielen ablenken …
Wobei mir wieder mein Idol, William S. zu Hilfe kommt: „An sich ist nichts weder gut noch böse, das Denken macht es erst dazu“.
Und so bin ich mit Gedanken beschäftigt, die meine Zukunft und den gerade angekommenen Herbst betreffen, die Sorge um meine Nahrungsquelle, besagter türkischer Schlachter der hoffentlich heute mit dem Besuch meines schniefenden Haufens rechnen darf und mit anderen Dingen, die nahe an meinem Herzen sind.
Es bleiben mir einige Jahre bis zur nächsten Kommunalwahl in Berlin. Diese Zeit werde ich nutzen um mir in meinem Kiez durch unermüdlichen Einsatz eine wohlverdiente Anhängerschaft heranzuziehen, die ihr Idol, nämlich mich dann auch mit großer Mehrheit in den Senat wählen wird.
Mit diesen Gedanken verabschiede ich mich heute von Euch, liebe Leser und hoffe dass Ihr den Herbst, die Laubhaufen und die jäh anbrechende Dunkelheit mit großem Vergnügen genießen möget.
„Sein oder nicht sein, das ist hier die Frage“ – leicht abgewandelt in die literarisch und poetisch sicherlich angebrachtere Version „Mops sein oder nicht Sein …..“.
Euer Carlos, Berliner Senator in spe
