Donnerstag, 6. Oktober 2011

Man sieht nur mit dem Herzen gut ...

Ein Mops hat Launen. Liebe Leser, manche von Euch mögen Mopsbesitzer sein, andere wiederum nicht. Launenhaftigkeit, eine gewisse Sturheit die ihren ganz besonderen Charme hat sofern man sich nicht gerade gemeinsam an einer verkehrsreichen Kreuzung befindet, hat ihren Sinn. Sie gehört zum Mops und seinen Charaktereigenschaften ebenso wie seine anderen prägnanten Verhaltensweisen.

Oh Elend, oh Schreck was für ein Tag! Ich  mag mich weiterer entsetzter Ausrufe erinnern, alleine die Höflichkeit an sich lässt mich schweigen, wenn auch nur gezwungenermaßen. Man denke daran dass ich zum Verfassen dieser Zeilen auf eine gewisse Dame angewiesen bin, die vorgestern und Teile des gestrigen Tages noch ein gewisser schniefender Haufen war, wundersamerweise jedoch nachmittags fast zur alten Blüte und üblicher Beweglichkeit transformierte. Allerdings lag die Wurzel allen Mopsübels darin, dass mein schniefender Haufen gestern absolut keine Lust auf Langläufe und ausgedehnte Spaziergänge hatte … wie kommt’s?
Mops könnte sich ja nun gutmütig einem gewissen laissez-faire hingeben, sich daran erinnern wie gut „sie“ sich hält und klaglos noch die eine oder andere Runde weitertrabt, oft auch mehr als drei oder vier wenn wir unterwegs sind, dies alles nur um ihrem Herzensmops zu gefallen.

Mops ist nachtragend. Mops ist böse. Seine Falten kräuseln sich auf eine Art, die erstaunlich unüblich ist. Und alles nur weil sie früh morgens bereits verkündete, dass sie absolut keine Lust auf längere Expeditionen hätte und heute einfach  nur kurze Gassigänge laufen werde. Aha! Eine häuslicher Aufstand, eine Protestaktion, fast infiltriert der grausame Gedanke mein Mopshirn, dass sie wieder heimlich zu viel Alice Schwarzer gelesen hat. Mops muss die häuslichen Zügel anziehen, kommt mir da so in den Sinn! Sorry, Alice!

Morgens, nach einem herrlich erholsamen Schlaf in ihren Armen, den sanftesten Armen der Welt erwachte ich blinzelnd und alarmiert weil ich plötzlich vollkommen alleine in den Kissen lag. Der kalte Hauch der Einsamkeit umwehte mein Mopsherz, lähmte mich für einige schmerzhafte Sekunden und ließ mich zunächst denken dass ich ein armes, verlassenes Wesen sei, ohne Beistand und Gesellschaft. Diese bedrohlichen Gedanken überbrückte ich mit einem eleganten Sprung aus unserem gemeinsamen Bett, bevor sich ein weiteres Trauma in mir entwickeln konnte. Ich machte mich auf die Suche nach dem Ziel  meines Begehrens, dem Mittelpunkt meines Daseins und fand dieses in der Küche .. wieder vereint! Auf meinen Mopslippen formte sich die tonlose Frage, ob sie denn heute den Weg zu meinem Freund, dem türkischen Schlachter finden würde -  alleine ihr jammervoller Anblick erforderte Schonung und dezente Zurückhaltung.

Und so blieb mir nach einigen Gängen von absolut lächerlicher Dauer nichts anderes übrig als mich sehr beleidigt mit meinem Hobby, der Literatur zu beschäftigen. Ich griff in unser gut bestücktes Bücherregal und entschied mich für Saint-Exupéry und den „Kleinen Prinz“, eine meiner bevorzugten Quellen des Vergnügens.

Mein Lieblingszitat aus diesem Buch lautet:
„Man sieht nur mit den Herzen gut. Das Wesentliche ist für die Augen unsichtbar.“
Über diesen Satz musste ich lange nachdenken. Denn wer wird mit dem Herzen sehen, wenn die Augen dafür prädestiniert sind, war am Anfang meines Ausfluges in die wunderbare Poesie dieses Buches mein Gedanke. Nun, dieses Zitat benötigt ein gewisses, mir ebenfalls in die besagte Mopswiege gelegtes philosophisches Gedankengut, die Fähigkeit, sagen wir mal so, peripher und abstrakt zu denken, zunächst wissenschaftliche und andere Bedenken zur Seite zu legen und sich dann unvoreingenommen mit der prägnanten Aussage dieses Zitats zu beschäftigen …

Es gibt Menschen, die kein Herz haben noch sonstige Qualitäten, die mops so leichtfertig dieser Gattung zuschreibt. Solche Menschen begegnen uns jeden Tag. Es bekümmert mich dass es so ist, denn Herzensbildung erfordert nicht viel.

Ein Mops besitzt Herzensbildung im Übermaß, daher musste ich mich erst langsam daran gewöhnen, dass es bei manchen Menschen nicht so ist …

Und so war dann der gestrige Tag doch noch annehmbar, ich lässig und bequem auf der Couch liegend, der kleine Prinz mein Begleiter durch diesen kalten Herbsttag. Meine Launenhaftigkeit verflog im Nu, das Leben ist schön ...

„Wenn du dir bei Nacht den Himmel anschaust, wird es dir sein, als lachten alle Sterne, weil ich auf einem von ihnen wohne, weil ich auf einem von ihnen lache.“
Welch Poesie …


Versucht heute, liebe Leser einmal mit dem Herzen das Wesentliche zu sehen, fällt mir da ein. „Sie“ sah gestern mit ihrem Herzen und rannte emsig zu einem Treffen mit meinem Freund, dem türkischen Schlachter und schleppte das Wesentliche für mich nach Hause. Na, also!

Habt einen schönen Tag,
Euer Carlos