Meine Mama und ich arbeiten von zu Hause aus. Sehr störend! Ich meine, nicht wirklich störend aber es beeinflusst schon so meinen Tagesablauf und ganz oft auch meinen sorglosen und ruhigen Nachtschlaf. Ääääätzend!
Warum können wir nicht in einem Büro arbeiten? Diese Frage stelle ich ihr oft und sie sagt dass sie total glücklich und zufrieden sei mit unserer Arbeitssituation. Ich werde da wohl nicht gefragt?
Ich würde sooooo gerne in einem Büro arbeiten, manchmal war ich schon besuchsweise in einem und ich fand es toll! Nette Menschen, das eine oder andere Leckerli, Streicheleinheiten en masse und sehr interessante Gespräche .. natürlich drehten sich die alle um den Mops. Um den Mops natürlich, der ganz lieb und zufrieden dasitzt und niemanden stört. Sagte sie zumindestens danach.
Wenn ich in einem Büro arbeiten könnte, würde ich jeden Tag Bus, U-Bahn und S-Bahn fahren und nicht nur manchmal. Ihr wisst ja, meine Passion .. wegfahren! Ich hätte eine kleine Bürotasche für meine Leckerli, Kauknochen, Spielsachen und meine Decke und meine Akten würden da auch noch reinpassen. Ich habe mir schon mal eine ausgesucht, rein pro forma und prophylaktisch, es könnte ja sein dass es mal soweit kommt und dann wäre ich richtig vorbereitet. Auch mein office outfit ist schon angedacht; es müsste natürlich standesgemäß sein, chic und von bester Qualität. Ich denke, schwarz und beige wäre ok. Ein Frack wäre wohl übertrieben, aber ein gut sitzender Anzug und eine Krawatte wären schon angebracht … so mache ich mir eben zu meiner eventuellen Bürokarriere Gedanken. Denn wozu eigentlich habe ich mein Studium der Mopskommunikationswissenschaften und englischer Mopsliteratur durchgezogen? Na, also ...
Aber soweit sind wir noch nicht … ich sitze also meistens zu Hause vor meinem Laptop. Da ich keine Finger zum Tippen habe, benötige ich selbstverständlich eine Sekretärin und die habe ich, hehe! Eine, die sofort spurt und genau das schreibt was mir so in den Sinn kommt. Manchmal haben wir so unsere Probleme, aber wer hat die nicht mit den lieben Kollegen? Aber unsere Diskussionen halten sich in Grenzen und sie ist für meine Hilfe bei ihrer Arbeit sehr dankbar.
Denn was wäre sie ohne mich? Mein Vokabular ist inzwischen umfangreich, fachspezifisch und trifft genau das, was sie sagen will. Tausendmal am Tag (und leider auch in der Nacht) fragt sie mich, heya Carlos – wie würdest Du „diesesundjenes“ übersetzen? Gott sei Dank habe ich immer einen Rat und eine Lösung für ihr Problem, selbst dann wenn ich mal kurz eingenickt bin oder nicht so ganz bei der Sache. Denn die gesetzlich angeordneten Ruhepausen laufen bei mir nicht, da sollte ich mich mal bei Verdi erkundigen wie das eigentlich so ist und was mir zusteht. Oder bei Peta .. aber soweit möchte ich eigentlich nicht gehen. Denn auch wenn ich im Stress bin möchte ich doch keine schlechte Laune im Arbeitsalltag aufkommen lassen. Es ist wichtig, als Manager seine Untergebene gerecht und liebenswürdig zu behandeln, das habe ich erst gestern im Internet gelesen und vor allem soll man sie loben … naja. Ich bemühe mich.
Ein Kollege ...
Was mir entgegen kommt ist, dass sie ein paarmal am Tag den Laptop verlässt und mit mir in die Parks geht. Na, also. Wenn man so wie ich intensiv geistig arbeitet, ist es wichtig sich in der Natur zu erholen, auch das habe ich gelesen. Diese Unterbrechungen meines anstrengenden Arbeitsalltages kommen bei mir immer gut an – ich treffe dann manchmal Kumpels, die nicht arbeiten müssen oder schon in Rente sind und leider ganz oft auch welche, die arbeitslos sind. Darüber muss ich dann nachdenken, denn in einer großen Stadt gibt es viele Probleme …
Wir treffen aber auch oft unseren lieben Freund Goya, der nun 24 Stunden im Dienst ist. Goya ist ein Blindenführhund und hat erst vor einem Jahr sein Studium abgeschlossen. Damals lernten wir ihn im Park kennen. Da war er noch ein bisschen unsicher im Umgang mit seinem jungen Herrchen, logischerweise bringt das ein neuer Job immer mit sich. Wir sind öfters mal miteinander gelaufen und unsere Dosenöffner haben sich nett unterhalten; Goya und ich auch – er hat mir von seinem Studium erzählt und wie er mit seinem neuen Job zurechtkommt. Damals ließ er sich noch von mir ablenken – heute arbeitet er total professionell und konzentriert und sagt allerhöchstens mal kurz Hallo zu mir wenn er im Dienst ist.
Und manchmal darf er eine Pause im Park machen – dann rennt er mit mir und den anderen Kumpels total wild auf der Wiese herum und freut sich.
Also, so gesehen hab ich gar nichts dagegen dass ich von zu Hause aus tätig bin … meine Arbeit macht mir total Spass, mit meiner Untergebenen komme ich meistens gut zurecht und nach der Pause im Park renne ich schnell wieder an meinen Schreibtisch zurück. Weiter geht’s!
Habt einen schönen (Arbeits-)tag
Euer
Carlos
