Schon wieder eine
Woche rum - die Zeit rast und ich rase mit, zu mindestens versuche ich es.
Stillstand ist nicht angesagt, es muss immer weiter gehen. Wie sinnig,
"gehen" oder laufen oder ständig, immer Gassi ... Aaaah! Es regnete
viel diese Woche aber wir liefen - zu den unmöglichsten Zeiten mal wieder!
Bisher hat sie es nicht geschafft, mir einen neuen, anständigen Regenmantel zu
kaufen. Ich trage immer noch diesen unvorteilhaften alten Mantel, der mich dick
macht. Naja, Nikolaus ist im Anmarsch und ich werde mal eine Petition
verfassen: "Armer Mops bittet um einen neuen Regenmantel". So
schwierig kann das doch nicht sein?
Mein grässlichster Albtraum ist wahr geworden -
"Er" war da! Hier, in meinem Berlin und vier Tage lang war ich voller
Misstrauen und immer in Alarmbereitschaft. Wenn ich überhaupt geschlafen
habe, dann vor Erschöpfung und aus weiser Voraussicht immer nur für ein paar
Minuten. Der italienische Gigolo nämlich, dem sie immer Emails schreibt und von
dem sie dann auch noch welche zurückbekommt! Sie haben sich endlich kennen
gelernt und ich habe mein Bestes getan, diese gemütliche Zweisamkeit zu
torpedieren. Wir brauchen keinen Mann in unserem Leben, schon gar nicht einen
aus Italien!
Angefangen hat es damit, dass ich am vergangenen Sonntag
ausgehfein gemacht wurde und wir zu einer unüblichen Zeit mit der S-Bahn in die
Stadt fuhren. Ich hatte Kohldampf, denn meine Diät scheint nun dauerhaft zu
sein - und Gott sei Dank landeten wir in einem Restaurant. Aber leider einem
indischen, dieser Kost kann ich gar nichts abgewinnen! Ich habe versucht, sie
unauffällig in ein deutsches Etablissement zu steuern, aber sie ging
zielbewusst weiter, ich in ihrem unerbittlichen Schlepptau. Und da stand er ...
ich muss der Wahrheit zu liebe sagen, er hat mich erst gestreichelt und
"sie" dann begrüßt. Immerhin! Dann haben sie gelacht und geredet und
nochmals gelacht. Wir landeten in diesem indischen Restaurant und blieben dort
ganz lange, danach gab's einen nächtlichen Spaziergang durch Mitte. Alarm!
Am Montag wurde ich dann ganz früh zu Ursel abgeschoben,
äh hingebracht und sie kam überhaupt nicht mehr wieder ..Ursel war im
Krankenhaus und ich habe sie vermisst, auch ihre Hausmannskost und das
Verständnis, das sie einem armen Mops jederzeit entgegen bringt. So auch an
diesem Montag. Kumpel Lucky und ich spielten, gingen mit Ursel Gassi und
mittags gab es dann wirklich Hausmannskost und für mich noch einen
Extra-Schlag, darf aber niemand wissen! Hmmmm! Sie
kam dann ganz spät und holte mich ab, knuddelte mich, knutsche mich ab und es
ging nach Hause ... Am nächsten Morgen ließ sie mich dann alleine, aber vorher
ging's noch zwei Stunden Gassi, im Regen! Und weg war sie .. ich schlief noch
als sie wieder vor mir stand, dann ging’s zur S-Bahn. Aha, Potsdamer Platz!
Ich kann dieser Architektur nicht viel abgewinnen, die
Hundewiese ist mir definitiv lieber. Man denkt man sei draußen, aber das Bein
heben darf man dort nicht wirklich, weil man eigentlich drinnen ist. Sehr
verwirrend! Aber wir gingen zielbewusst auf ein Brauhaus zu, meine Mopsaugen
leuchteten. Brauhäuser sind zwar keine Biergärten aber die Menus sind irgendwie
identisch, sagt mir meine Erfahrung. Und da saß „er“ mit ihren Kollegen .. aha!
Ich wurde wie immer sehr lieb begrüßt, mein japanischer Lieblingskollege durfte
neben mir sitzen. Das Essen kam .. so ein bisschen fiel auch für mich ab, aber
nicht so wie im Biergarten und selbstverständlich nicht der Rede wert.
Ihr Professor bemerkte, wie brav und gut erzogen ich doch
sei. Ich saß ja auch schon zwei Stunden lang neben ihr auf einer Bank, immer
den italienischen Gigolo misstrauisch im Blick. Der tat so, als ob wir die
besten Freunde seien. In gleichen Moment betrat ein Riesenhund das Brauhaus und
ich rastete förmlich aus. Von wegen „brav“ – definitiv hat ein anderer Hund
dort nichts zu suchen und sie meinte mit einem schrägen Seitenblick auf mich, naja,
er denkt halt es sei sein Terrain. Das meine ich aber auch!
Und dann haben wir den italienischen Kerl am Donnerstag zum Flughafen gebracht – leider kommt er
wieder! Und leider schon ganz bald. Ich hoffe, er vergisst diesmal nicht die italienische
Wurst oder zu mindestens einen Parmaschinken für den armen Mops! Aber ich
glaube zu meiner Erleichterung, zwischen den beiden läuft nichts – es ist
wirklich nur geschäftlich. Sie liebt eben nur mich und damit ist sie gut
bedient!
Der Rest der Woche ging dahin, wir waren nicht einmal auf
der Hundewiese sondern ständig unterwegs. Laufen, laufen, laufen .. sie schaut
mich kritisch an, ob ich schon abgenommen habe. Ja, habe ich. Sie aber nicht!
Sie versucht mich zu täuschen - da ich eigentlich vieldoofes Grünzeug, äh gesundes Gemüse fressen sollte, hat sie eine neue Methode entwickelt, wie ich diesem Dilemma nicht entfleuchen kann. Das Grünzeug wird püriert, kommt in meinen Napf und darüber dann mein Fleisch. Da ich seit Wochen total ausgehungert bin, falle ich jedesmal darauf rein und schwupps, ist das doofe Grünzeug, äh Gemüse bereits in meinem Mopsmagen gelandet, bevor ich überhaupt denken kann. Sie freut sich dann wenn meine Hinterlassenschaft grün ist, was eine ungesunde Aufnahme von Spinat bedeutet oder gelb, igitt! Karotten ... sehr gemein!
Sie versucht mich zu täuschen - da ich eigentlich viel
Heute haben wir erst mal ausgeschlafen, war ja auch nötig.
Ich habe mich ganz eng an sie gekuschelt, um sie wissen zu lassen dass ich sie
liebe. Es war aber auch so ein ganz bisschen kalt, denn der Winter kommt mit
Riesenschritten. Da hat es Mops gerne warm.
Wir waren dann auf der Hundewiese, Erzfeind Joker war da. Er
trug seinen Maulkorb, da konnte ich guten Gewissens richtig frech zu ihm sein. Der
Wahrheit zuliebe habe ich vor Empörung gebebt, aber Joker kam nur zum
Schnüffeln. Er sieht aus wie Hannibal Lektor mit diesem Ding vor seinem Maul,
eigentlich tut er mir Leid.
Und dann wurde gelaufen und gelaufen und ich
dachte, es hört niemals mehr auf. Wir trafen einige Kumpels und nette Leute und
nun kann das Wochenende beginnen. Hoffentlich ohne italienische Kerle und in
trauter Zweisamkeit, ganz so wie ich es liebe …ein paar Knochen wären auch nicht schlecht und ich wäre froh, wenn ich endlich mal wieder den Fernseher anbellen könnte, meine Lieblingssendungen haben wir nämlich diese Woche auch nicht angeschaut! Ich bin schon ein armer Mops.
Ich wünsche Euch ein schönes, erholsames Wochenende
Euer Freund Carlos Santana
