Samstag, 19. Oktober 2013

Eine überraschende Diagnose

Ein kleiner Mops hat’s nicht leicht, seufz. Da wird man monatelang in Watte gepackt, was ja eigentlich nicht zu verachten ist, man wird gegängelt, dominiert, darf nicht mehr wild rennen, sich nicht mehr –natürlich ausschließlich aus gutem Grund- furchtbar mopstypisch aufregen, keine Blödmänner und Erzfeinde wie Hanky oder Monty anbellen, ach ja … und plötzlich soll alles anders sein? Grade hatte ich mich an eine etwas langsamere Gangart im Mopsleben gewöhnt …. Nicht übel war das!

„Sie“ hat ihre Drohung wahr gemacht und hat mich letzte Woche zum Hundekardiologen geschleppt! Einer, der ganz viel über uns Möpsen weiß, uns mag und auch unseren bei weitem nicht einfachen Charakter kennt. Geeefaaahr! Wer will schon durchschaut werden?

Das ist er! Naja, nett ist er ja, ungefähr so wie mein TA Opa Krause, nur hat er ganz viele komische Maschinen und Apparate die mich durchleuchtet und untersucht haben:





Dr. med. vet Kurt Helmich vom Tiermedizinzentrum Berlin 


Ächz! Stunden! Was hätte ich in dieser Zeit alles konstruktiv unternehmen können! Ausruhen, schlafen, Eichhörnchen jagen, fressen …Blödmann Hanky Angst einjagen! Hundedamen becircen! 

Nunja. Jetzt wissen wir Bescheid und die Schonfrist ist vorbei …Mops nimmt’s einigermaßen gelassen weil er sowieso keine andere Möglichkeit hat! Bockmist äh, ich meine wie schön dass es die moderne Medizin und sehr gelehrte TAe gibt.

Als wir die Praxis betraten,  wurde mir schon komisch weil über dem Empfangstresen ein Riesenmopsgemälde hängt! Der mittlere sah mir schrecklich ähnlich, kaum zu glauben. Es saßen einige supernette Kumpels mit ihren Dosenöffnern rum, dann –oh Schreck- kamen gleich zwei Monties herein. Meine Mama wollte mich gerade schon im Vorfeld knebeln, äh beruhigen, aber ich habe die beiden nicht gleich angebellt sondern abgewartet. Eine wundersame Wandlung, gehören doch beige Labradore wie Monty normalerweise zu meinem absoluten Feindbild … ich raste dann vollkommen aus.

Dr. Helmich stellte sich vor, aha! Sehr nett und sympathisch, was er wohl mit mir vor hat und gibt es bei ihm auch Leckerli wie bei Opa Krause? Dann kam eine wunderschöne junge Frau, nahm mich auf den Arm und wir stiegen eine lange Treppe hinauf. Meine total aufgeregte Mama wurde mit Kaffee ruhig gestellt und die nette junge Frau schleppte mich in einen Untersuchungsraum. Ganz alleine, ohne meine Mami! Die sagte noch zu der wunderschönen jungen Frau, er kann laufen und muss nicht getragen werden! Aber sie meinte,ich sei so schön knuddelig und sie trägt mich gerne. Tja, so ist es wohl, endlich erkennt das mal jemand und sofort habe ich mich an sie rangekuschelt.

Dann wurde ich geröngt, gescannt, abgehört, mein Blutdruck wurde gemessen und ein EKG gemacht und es hat so lange gedauert! Endlich waren wir fertig und die wunderschöne junge Frau nahm mich wieder auf den Arm und brachte mich zu meiner Mami zurück, die schon einige Tassen Kaffee intus hatte und total ängstlich da saß. So eine lange Zeit war vergangen .. ich raste fröhlich und hinternwackelnd auf sie zu. 

Überall sah ich lachende Gesichter, oh ein Mops! War irgendwie so ähnlich wie in einem besagten türkischen Friseursalon, wo auch immer alle hysterisch schreien wenn ich ankomme. Tja, ein Mops, wie ungewöhnlich in einer TA-Praxis, dachte ich mir noch. Aber auch dort habe ich nun meine Fans, total normal für einen Charaktermops. Eigentlich wollte ich demnächst Autogrammkarten in Auftrag geben!

Dann kam Dr Helmich und wir gingen in den Untersuchungsraum, wo eine Röntgenaufnahme meines Mopsherzens zu sehen war. Er erklärte uns mit einem Lächeln dass mein Herz total gesund sei, alle Untersuchungen ohne Befund und alles, alles gut … ich habe nur eine kleine Verengung an der Luftröhre im Innern meines Astral-Mopskörpers, die für einige Wochen medikamentös behandelt werden muss. Nach 6 Wochen sollen wir dann wieder kommen. Aber nur, wenn ich wieder von dieser wunderschönen jungen Frau getragen werde!

Dann nahm uns Dr. Helmich in einen Besprechungsraum mit und er und meine Mama sprachen dann noch 1 Stunde lang über mich, diesen wunderbaren, intelligenten, total gut erzogenen, ruhigen und entspannten Mops. Ich zitiere nur meinen TA! Achsoja, meine Faltenbildung wäre auch extrem schön, tja, stimmt ja und meine Mama sagte daraufhin nur, „GsD sagen Sie das nicht über mich!„. Warum ist sie nicht stolz auf ihre Falten so wie ich? Er erklärte nochmals seine Diagnose sehr gründlich, das lob' ich mir!

Was mir gar nicht gefiel war, dass Dr. Helmich sagte ich müsste nun wieder ganz anders behandelt werden: Also keine In-Watte-Packerei mehr, sondern so wie früher lange Spaziergänge, viel Bewegung, „Fordern Sie ihn“, meinte er. Wen, etwa mich armen kleinen Mops? Bin ich nicht alleine gefordert genug durch die anstrengende WG mit einer Schwäbin? Oder durch andere Dinge, über die ich diesmal lieber höflich schweige?

Die beiden haben über mich gelacht, ganz schön gemein! Soso. Meine Mami erzählte ihm von unserem letzten Notfall, als ich nicht mehr laufen wollte und wir dann früh morgens im Taxi (so wie immer eben) zum TA rasten. Das wären also typische Mopseigenschaften? Bocken? Dominanz? Ich wusste rein intuitiv, als wir diese Praxis betraten war ich durchschaut!

Nun ist „sie“ total erleichtert und dankbar, dass es solche TAe wie Dr. Helmich mit seinen vielen, unheimlichen Apparaten gibt. Sie hätte am liebsten die ganze Welt umarmt (und hat es dann auch getan, als wir wieder zu Hause waren).

Ich bin ja auch froh dass ich nicht herzkrank bin. Froh bin ich aber nicht darüber, dass wir dann gleich am nächsten Morgen, natürlich viel zu früh mal wieder, fast zwei Stunden liefen bevor sie zur Arbeit ging. Ich war noch nicht mal richtig wach und hungrig wie ein Wolf. Aber ich wurde rausgezerrt obwohl es leicht nieselte. Dann gab’s Fressi, wie immer viel zu wenig aber der Hunger trieb es rein. Ich habe mich erschöpft hingelegt und bin erst wieder aufgewacht als sie ein paar Stunden später vom Institut nach Hause kam. Und gleich wieder ging es raus …. Ächz! Bleibt das jetzt so für immer? 

Danke, lieber Dr. Helmich und das gilt auch für Ihre lieben Mitarbeiter! Und wir sehen uns in 6 Wochen wieder, ich freu mich schon drauf. 

Liebe dankbare Grüße von Mops Carlos Santana