Donnerstag, 30. April 2015

Ich bin wieder da!

Es war eine schrecklich lange Zeit, bis sie mir endlich wieder ihre Finger zum Tippen geliehen hat und zum Aufnehmen meines Diktates bereit war. "Sie" sagt, es erinnere sie an alte Zeiten im Büro, als ihre Chefs noch die Korrespondenz diktierten und sie alles in Steno in den Block schrieb. Steno? Ich nehme an, es handelt sich dabei nicht um Fressi, also vergesse ich dieses komische, antiquierte Wort gleich wieder.

Ich hoffe dass es euch allen, Zwei- und Vierbeiner genauso gut geht wie mir - ich bin mopsfidel und fröhlich, so wie immer eben. 

Der Frühling ist fast da und ich liebe es, wieder in den Parks rumzuschnüffeln und naja, wenn's sich eben nicht vermeiden lässt, fleißig zu laufen. Ächz. Heute waren wir in verschiedenen Parks und immer gaaanz lange.  Jajaja, ich finde die blühenden Sträucher und Bäume ja auch ganz schön, aber kein Grund um darüber ins Schwärmen zu geraten, wie sie es tut. Schwärmen kann ich eben nur über Putenschnitzel, Markknochen und derartiges. Sie meint ich sei ein kleiner Mopsbanause, ich finde aber insgeheim dass ich Recht habe, so wie immer eben. Laut sagen darf man das aber nicht!

In unserem Kiez gibt es so wie jedes Jahr wieder furchtbar viele Welpen, diese lästigen kleinen Geschöpfe!  Auch ein paar nette neue Hunde, mit denen ich ganz gerne spiele und rumrase. Hanky-lass-dich-anleinen gibt es auch noch und unsere Intimfeindschaft blüht und gedeiht genauso wie die Frühlingsblumen. Erst heute Nachmittag trafen wir uns leider wieder, liefen quasi in einander hinein und meine Wut war grenzenlos. Gerade eine Sekunde vorher wurde ich noch von einer sehr netten Dame als "ein ganz Lieber" gelobt, und so einen wie mich hätte sie auch gerne ... naja, dann sah ich von weitem ihn, meinen inzwischen einzigen Kiezfeind seit Monty endlich, äh ich  meine bedauerlicherweise weg gezogen ist. Ich regte mich schrecklich auf und glaube, dass die nette Dame nun vielleicht keinen Mops mehr haben möchte?

Ich war -für meine Verhältnisse- ziemlich lange in eine große, schwarze Hündin verliebt, die sehr gefährlich aussieht, ich würde mal sagen wie ein Höllenhund. Alle meine Kumpels haben Angst vor ihr, aber ich liebe eben das Risiko und irgendwie -im Nachhinein- verliebe ich mich immer in die Falsche. 
Ich finde sie sehr attraktiv und sie hat sich auch meine Avancen gerne gefallen lassen. Monatelang -es erschien mir wie Jahre- habe ich geduldig um sie geworben, auf so manches Leckerli zu ihren Gunsten verzichtet, bin begeistert bei Spaziergängen mit meiner Nase dicht an ihrem Hinterteil hinter ihr her gerannt, bis der Tag kam an dem ich wohl zu dicht mit meiner Nase .. naja, ihr wisst schon! Liebe kennt eben keine Grenzen .. und so hat sie mich ganz schön vermöbelt. Passiert ist mir nichts, weil sie ihre Zähne nicht benutzt sondern mich nur "verwarnt" hat. Peinlicherweise haben meine Hundekumpels diese absolute Niederlage miterlebt und somit erfror meine leidenschaftliche Liebe zu ihr sehr tragisch an einem kalten Märztag.  
Aber andere Hundemütter haben auch schöne Töchter und ich werde mich schon wieder verlieben ...wenn ich dann endlich meinen Liebeskummer verarbeitet habe. Sie wär's gewesen!

Auf unserer Hundewiese wird nun eine Schule gebaut und somit haben wir keinen Treffpunkt mehr.  Also wird wieder fleißig gelaufen anstatt auf der Hundewiese ein relativ ruhiges Stündchen zu verleben. Nachdem meine sehr liebe TAin im vergangenen Herbst meine Linie kritisierte, mit vollem Recht wie ich zugebe, habe ich im Rekordtempo zwei Kilo abgenommen und bin nun so rank und schlank wie ein Mops eben sein kann. Gestern bedauerte mich mein Nachbar, der mit den großen Händen und meinte, mein Geschirr würde ja förmlich an mir hängen. Nur zu wahr! Außerdem habe ich beim Fasten schrecklich viel mitgemacht und gelitten, aber das wird ja nie erwähnt! Unter uns gesagt, sooo schlimm war es dann auch wieder nicht und die Komplimente, die ich wegen meiner neuen Figur erhalte wiegen so manches wieder auf. Nur meine Futterrationen, die sind ganz schön winzig geworden und abends gibts nur noch ein Ministück Putenhals, an dem ich dann ewig kaue um den Hunger zu besiegen. Sollte dann noch ein Stückchen übrig bleiben, wird es hinter der Couch versteckt. Dort lagere ich alles, was "sie" nichts angeht.

Das Leben ist sehr ungerecht, wie ich immer wieder feststellen muss ...vor allem dann, wenn "sie" mal wieder die falsche Geschmacksrichtung meiner Leckerli kauft, nein, NICHT ENTE!!! PANSEN!!! Die Leckerlipackung ging dann auch an den Nachbarshund, der ja eigentlich nicht gegenüber wohnen darf, auch wenn er schon lange vor mir dort einzog und inzwischen ein Hunde-Methusalem ist. Er hat schrecklich Angst vor mir weil ich mich immer total hysterisch aufführe wenn wir ihn sehen, sagt "sie" und dann entschuldigt sie sich auch noch bei den Nachbarn. Völlig unnötig!

Also, nichts hat sich in meinem Leben oder in meinem Kiez verändert, alles ist wie immer. Ein sehr beruhigendes Gefühl. Bis zum nächsten Mal sende ich euch liebe Grüße

Euer Mopsfreund
Carlos Santana