Also, ich habe ja schon seit ewigen Zeiten nicht mehr meine
Mopsgedanken aufgeschrieben! Vorhin fiel mir das auf, nachdem wir noch ein
kleines Gassi absolviert haben und ich meinen charmanten Kiez in Ordnung
gebracht habe – so wie immer eben. Hier ein Beller, dort ein Knurren oder die
Begrüßung meines Lieblingsnachbarn. Er hat die größten Hände, die ich jemals
bei einem Mann gesehen habe und weiß ganz genau wie ich gestreichelt werden
möchte. Mit beiden Händen, immer schön auf meinem Mopsastralkörper auf und ab –
möglichst lange damit ich auch was davon habe.
Tja, wo soll ich anfangen? Am
besten bei mir selbst …
Wir sind wie immer beschäftigt
und sie verdient mein Fressi durch viele Stunden harter Arbeit. So soll es
sein! Aber wir haben auch Spaß und ich bin immer dabei. Wir treffen unsere Freunde
auf der Hundewiese oder im Kiez und gerade haben wir ein bisschen Urlaub und
sind in Parks und auch sonst unterwegs.
Unser „richtiger“ Urlaub kommt erst
noch – wir fahren mit ihren inzwischen 23 Kollegen im September nach Rügen und
sie organisiert diese Reise. Es soll ein Arbeitsaufenthalt werden, na prima –
und was wird dann aus mir? Ich darf aber mit, sie hat ihrem Professor gegenüber
damit argumentiert, dass sie unmöglicher Weise einen Freiwilligen finden
könnte, der mich eine ganze Woche lang betreut. Was soll das heißen, bin ich so
schwierig? Na, schwierig nicht aber ich laufe eben mit niemanden außer ihr. Sehr
vielversprechend klingt, dass der gesamte Trupp das Kochen am Abend selbst
übernehmen will – ich sehe hier diverse Möglichkeiten wie ich mein Fressi
problemlos sozusagen alimentieren kann. Keiner der potentiellen Köche hat mir
gegenüber jemals eine gewisse Strenge oder Geiz bewiesen, ganz im Gegenteil!
„Sie“ hat die Menus schon geplant – jeden Abend gibt es verschiedene Spezialitäten
aus den diversen Ländern, aus denen ihre Kollegen stammen. Aha! Besonders gut
klingt die Speisefolge aus Frankreich, Spanien, Arabien und Israel – England,
nein Danke! Gegen den pakistanischen Abend hätte ich auch nichts einzuwenden –
mal sehen. „Easy on the curry“, werde ich meinem Lieblingskollegen zurufen,
wenn er kocht. Wir Zwei verstehen uns immer super!
Im Anschluss an diesen ominösen
Arbeitsaufenthalt bleiben wir Beide noch in trauter Zweisamkeit dort, die
anderen reisen hoffentlich wieder ab. Sie und ich ganz alleine … so habe ich es
gerne!
Dies habe ich zur Genüge
bewiesen, als sie durch eine Knieverletzung außer Gefecht gesetzt war und diese
Alterserscheinung, äh ich meinte natürlich dieses Malheur brachte unser
Leben ganz schön durcheinander. Wieder einmal spielte ich den geduldigen
Krankenpfleger. Gassi gehen ging gar nicht und so kamen ganz viele Leute,
mindestens drei bis fünfzehn verschiedene und holten mich ab. Ich hasse es!
Ursel geht ja noch, mit ihr und Kumpel Lucky laufe ich ganz gerne, aber sonst
mit niemandem! Naja, mein Menschenbruder, aber der ist immer so ungeduldig und
trägt mich, auch nicht schlecht. Dann kamen noch Big Max und sein Dosenöffner
und noch so ein paar Leute von der Hundewiese und holten mich ab, auch meine
Nachbarn führten den süßen kleinen Mops aus. An Freiwilligen mangelte es nicht,
nur an meiner Bereitschaft, mit diesen zu laufen .. aber schweigen wir lieber.
Nach einiger Zeit fing sie wieder an zu humpeln, aha, es geht aufwärts, dachte
ich mir. Sie weilt wieder unter den Gehenden, kein schlechtes Zeichen.
Irgendwann mal ging‘s dann auch
wieder auf die Hundewiese, wir saßen in der noch blassen Frühlingssonne und sie,
bzw. ihr Knie erholte sich langsam. Ich drehte meine üblichen Runden, roch an
Grasbüscheln, hob mein Beinchen und ging leidenschaftliche Amouren mit den
unterschiedlichsten Damen ein, die alle so einen tollen Duft ausströmten. Aha,
DIE Zeit ist wieder da! Nämlich die, die mir Sternchen in die Augen treibt wie
„sie“ so leichtfertig sagt, vielleicht täten ihr ein paar davon auch mal gut?
Ich durchlebte eine kurze aber
intensive Affäre mit einer Hundedame namens „Zwiebel“, was für ein Name! Schön
ist sie nicht, aber leidenschaftlich und so rannte ich begeistert hinter ihr
her. Leider erhörte sie mich nicht, dabei wäre ich zu einer festen Beziehung
bereit gewesen. Nach den Treffen mit meiner Angebeteten weigerte ich mich jedes
Mal nach Hause zu laufen, aber tragen konnte „sie“ mich ja auch nicht – ein
Dilemma. Also wurde ich brutal nach Hause gezerrt, wo ich mich stundenlang
meinem Liebeskummer und meinem Sehnen nach Zwiebel hingab. Die Welt ist so
ungerecht …
Aber auch diese Zeit ging vorbei.
Ich habe mich entliebt und bin wieder Single, aber Zwiebel und ich bleiben
Freunde. Die Hundedamenwelt steht mir offen und ich schaue mich jetzt erst mal
entspannt um, wer für mich und eine neue Beziehung in Frage käme. Die Auswahl
ist nicht riesig und ich stehe eben auf einen ganz bestimmten Typ, so wie alle
Männer. Blond, langbeinig und groß, was „sie“ zu der unnötigen Bemerkung
veranlasst, Männer seien eben alle gleich, ob vier oder zwei Beine. Auch
ungerecht und eine platte Verallgemeinerung!
Aber ich will mich ja mit ihr
nicht streiten, wo sie so viel mitgemacht hat. Ich behandle sie eher wie ein
rohes Ei, sozusagen, und bin lieb und nett zu ihr und sehr folgsam, sofern sich
dies nicht vermeiden lässt.
Am Wochenende waren wir in den
Parks unterwegs, durch den vielen Regen sieht es dort wie im Urwald aus!
Mein Regengesicht
Perfekt zum Verstecken, Schnüffeln, das Mopsleben genießen .. und wir trafen
auch wirklich einige sehr nette Hunde. Eine junge Schäferhündin und dann kam
auch noch ein riesiger schwarzer Molosser an. Aha, Familie! Ich stürzte
begeistert auf ihn zu und „sie“ kam mit dem angeblich „sehr netten“ Besitzer
ins Gespräch. Sofort war ich hellwach – und versuchte voller Misstrauen das
sich anbahnende romantische Gespräch rigoros zu unterbinden. Ich wollte
abwechselnd Wasser, Leckerli, auf ihrem Schoß sitzen und sprang ständig an ihr
hoch. Aber sie beachtete mich nicht und lachte und flirtete mit diesem fremden
Mann! Mopsalarmstufe 1!
Also spielte ich mit dem
Riesenhund und der jungen Schäferhündin bis mich der Teufel ritt und ich den
schwarzen Riesen hysterisch ankläffte. Der holte einfach mit seiner Pfote aus,
schob mich quasi unter sich und legte sich auf mich drauf! Ich sah gar nichts mehr, nur schwarzes Fell und hörte aufgeregte
Stimmen von ganz weit weg.
Hiiiiiilfe!
Meine Mama und der „sehr nette“
Besitzer des auf mir liegenden Riesenhundes machten alle Anstrengungen mich zu
befreien – eine ausweglose Situation. Sie versuchten Arno, so heißt das Vieh,
wegzulocken, zum Aufstehen zu bewegen, zu rufen – der liebe Arno blieb ganz
entspannt auf mir liegen, die gesamten 90 Kilos! Endlich gelang es den beiden,
mich unter dem Riesen hervorzuziehen. Ich schüttelte mich, versuchte mich zu
fassen und Blätter, Schmutz und alles Mögliche loszuwerden. Mann, ich wurde
doch gerade erst gebadet und mein Fell ist seidig und sehr beige. Jetzt nicht
mehr ..
Zum Abschied leckte dann Arno,
dieser Blödmann mit seiner Riesenzunge noch das Gesicht meiner Mama ab –
unverschämt! Bis bald, rief der „sehr nette“ Besitzer – na, darauf kann er
lange warten!
Außerdem war mein Mopsego, oder
wie sie immer sagt, mein aufgeblähtes Mopsego schwer beschädigt. Normalerweise
gehe ich immer aus meinen Kämpfen als Sieger hervor, diesmal war ich der
Verlierer. Dazu lachten noch alle, die mein Debakel miterlebt hatten –so quasi
der gesamte Park.
Bloß schnell nach Hause! Ich lief
mit hängendem Schwänzchen neben ihr her, das offensichtliche Zeichen dass ich
seelisch sehr mitgenommen bin. Zu Hause angekommen, versteckte ich mich in meinem Hundekorb und war nicht mehr
zum Herauskommen zu überreden. Ich schlief einfach sehr frustriert ein…
Liebe Grüße sendet
Euer Mopsfreund Carlos Santana
Mein Sonnengesicht

