Montag, 7. Juli 2014

Also, ich habe ja schon seit ewigen Zeiten nicht mehr meine Mopsgedanken aufgeschrieben! Vorhin fiel mir das auf, nachdem wir noch ein kleines Gassi absolviert haben und ich meinen charmanten Kiez in Ordnung gebracht habe – so wie immer eben. Hier ein Beller, dort ein Knurren oder die Begrüßung meines Lieblingsnachbarn. Er hat die größten Hände, die ich jemals bei einem Mann gesehen habe und weiß ganz genau wie ich gestreichelt werden möchte. Mit beiden Händen, immer schön auf meinem Mopsastralkörper auf und ab – möglichst lange damit ich auch was davon habe.

Tja, wo soll ich anfangen? Am besten bei mir selbst …

Wir sind wie immer beschäftigt und sie verdient mein Fressi durch viele Stunden harter Arbeit. So soll es sein! Aber wir haben auch Spaß und ich bin immer dabei. Wir treffen unsere Freunde auf der Hundewiese oder im Kiez und gerade haben wir ein bisschen Urlaub und sind in Parks und auch sonst unterwegs.

Unser „richtiger“ Urlaub kommt erst noch – wir fahren mit ihren inzwischen 23 Kollegen im September nach Rügen und sie organisiert diese Reise. Es soll ein Arbeitsaufenthalt werden, na prima – und was wird dann aus mir? Ich darf aber mit, sie hat ihrem Professor gegenüber damit argumentiert, dass sie unmöglicher Weise einen Freiwilligen finden könnte, der mich eine ganze Woche lang betreut. Was soll das heißen, bin ich so schwierig? Na, schwierig nicht aber ich laufe eben mit niemanden außer ihr. Sehr vielversprechend klingt, dass der gesamte Trupp das Kochen am Abend selbst übernehmen will – ich sehe hier diverse Möglichkeiten wie ich mein Fressi problemlos sozusagen alimentieren kann. Keiner der potentiellen Köche hat mir gegenüber jemals eine gewisse Strenge oder Geiz bewiesen, ganz im Gegenteil! „Sie“ hat die Menus schon geplant – jeden Abend gibt es verschiedene Spezialitäten aus den diversen Ländern, aus denen ihre Kollegen stammen. Aha! Besonders gut klingt die Speisefolge aus Frankreich, Spanien, Arabien und Israel – England, nein Danke! Gegen den pakistanischen Abend hätte ich auch nichts einzuwenden – mal sehen. „Easy on the curry“, werde ich meinem Lieblingskollegen zurufen, wenn er kocht. Wir Zwei verstehen uns immer super!

Im Anschluss an diesen ominösen Arbeitsaufenthalt bleiben wir Beide noch in trauter Zweisamkeit dort, die anderen reisen hoffentlich wieder ab. Sie und ich ganz alleine … so habe ich es gerne!

Dies habe ich zur Genüge bewiesen, als sie durch eine Knieverletzung außer Gefecht gesetzt war und diese Alterserscheinung, äh ich meinte natürlich dieses Malheur brachte unser Leben ganz schön durcheinander. Wieder einmal spielte ich den geduldigen Krankenpfleger. Gassi gehen ging gar nicht und so kamen ganz viele Leute, mindestens drei bis fünfzehn verschiedene und holten mich ab. Ich hasse es! Ursel geht ja noch, mit ihr und Kumpel Lucky laufe ich ganz gerne, aber sonst mit niemandem! Naja, mein Menschenbruder, aber der ist immer so ungeduldig und trägt mich, auch nicht schlecht. Dann kamen noch Big Max und sein Dosenöffner und noch so ein paar Leute von der Hundewiese und holten mich ab, auch meine Nachbarn führten den süßen kleinen Mops aus. An Freiwilligen mangelte es nicht, nur an meiner Bereitschaft, mit diesen zu laufen .. aber schweigen wir lieber. Nach einiger Zeit fing sie wieder an zu humpeln, aha, es geht aufwärts, dachte ich mir. Sie weilt wieder unter den Gehenden, kein schlechtes Zeichen.

Irgendwann mal ging‘s dann auch wieder auf die Hundewiese, wir saßen in der noch blassen Frühlingssonne und sie, bzw. ihr Knie erholte sich langsam. Ich drehte meine üblichen Runden, roch an Grasbüscheln, hob mein Beinchen und ging  leidenschaftliche Amouren mit den unterschiedlichsten Damen ein, die alle so einen tollen Duft ausströmten. Aha, DIE Zeit ist wieder da! Nämlich die, die mir Sternchen in die Augen treibt wie „sie“ so leichtfertig sagt, vielleicht täten ihr ein paar davon auch mal gut?

Ich durchlebte eine kurze aber intensive Affäre mit einer Hundedame namens „Zwiebel“, was für ein Name! Schön ist sie nicht, aber leidenschaftlich und so rannte ich begeistert hinter ihr her. Leider erhörte sie mich nicht, dabei wäre ich zu einer festen Beziehung bereit gewesen. Nach den Treffen mit meiner Angebeteten weigerte ich mich jedes Mal nach Hause zu laufen, aber tragen konnte „sie“ mich ja auch nicht – ein Dilemma. Also wurde ich brutal nach Hause gezerrt, wo ich mich stundenlang meinem Liebeskummer und meinem Sehnen nach Zwiebel hingab. Die Welt ist so ungerecht …

Aber auch diese Zeit ging vorbei. Ich habe mich entliebt und bin wieder Single, aber Zwiebel und ich bleiben Freunde. Die Hundedamenwelt steht mir offen und ich schaue mich jetzt erst mal entspannt um, wer für mich und eine neue Beziehung in Frage käme. Die Auswahl ist nicht riesig und ich stehe eben auf einen ganz bestimmten Typ, so wie alle Männer. Blond, langbeinig und groß, was „sie“ zu der unnötigen Bemerkung veranlasst, Männer seien eben alle gleich, ob vier oder zwei Beine. Auch ungerecht und eine platte Verallgemeinerung!

Aber ich will mich ja mit ihr nicht streiten, wo sie so viel mitgemacht hat. Ich behandle sie eher wie ein rohes Ei, sozusagen, und bin lieb und nett zu ihr und sehr folgsam, sofern sich dies nicht vermeiden lässt.

Am Wochenende waren wir in den Parks unterwegs, durch den vielen Regen sieht es dort wie im Urwald aus! 


Mein Regengesicht

Perfekt zum Verstecken, Schnüffeln, das Mopsleben genießen .. und wir trafen auch wirklich einige sehr nette Hunde. Eine junge Schäferhündin und dann kam auch noch ein riesiger schwarzer Molosser an. Aha, Familie! Ich stürzte begeistert auf ihn zu und „sie“ kam mit dem angeblich „sehr netten“ Besitzer ins Gespräch. Sofort war ich hellwach – und versuchte voller Misstrauen das sich anbahnende romantische Gespräch rigoros zu unterbinden. Ich wollte abwechselnd Wasser, Leckerli, auf ihrem Schoß sitzen und sprang ständig an ihr hoch. Aber sie beachtete mich nicht und lachte und flirtete mit diesem fremden Mann! Mopsalarmstufe 1!

Also spielte ich mit dem Riesenhund und der jungen Schäferhündin bis mich der Teufel ritt und ich den schwarzen Riesen hysterisch ankläffte. Der holte einfach mit seiner Pfote aus, schob mich quasi unter sich und legte sich auf mich drauf! Ich sah gar  nichts mehr, nur schwarzes Fell und hörte aufgeregte Stimmen von ganz weit weg.

Hiiiiiilfe!

Meine Mama und der „sehr nette“ Besitzer des auf mir liegenden Riesenhundes machten alle Anstrengungen mich zu befreien – eine ausweglose Situation. Sie versuchten Arno, so heißt das Vieh, wegzulocken, zum Aufstehen zu bewegen, zu rufen – der liebe Arno blieb ganz entspannt auf mir liegen, die gesamten 90 Kilos! Endlich gelang es den beiden, mich unter dem Riesen hervorzuziehen. Ich schüttelte mich, versuchte mich zu fassen und Blätter, Schmutz und alles Mögliche loszuwerden. Mann, ich wurde doch gerade erst gebadet und mein Fell ist seidig und sehr beige. Jetzt nicht mehr ..
Zum Abschied leckte dann Arno, dieser Blödmann mit seiner Riesenzunge noch das Gesicht meiner Mama ab – unverschämt! Bis bald, rief der „sehr nette“ Besitzer – na, darauf kann er lange warten!

Außerdem war mein Mopsego, oder wie sie immer sagt, mein aufgeblähtes Mopsego schwer beschädigt. Normalerweise gehe ich immer aus meinen Kämpfen als Sieger hervor, diesmal war ich der Verlierer. Dazu lachten noch alle, die mein Debakel miterlebt hatten –so quasi der gesamte Park.

Bloß schnell nach Hause! Ich lief mit hängendem Schwänzchen neben ihr her, das offensichtliche Zeichen dass ich seelisch sehr mitgenommen bin. Zu Hause angekommen, versteckte ich  mich in meinem Hundekorb und war nicht mehr zum Herauskommen zu überreden. Ich schlief einfach sehr frustriert ein…

Inzwischen habe ich mich erholt, mein Mopsego hat sich wieder auf den Normalzustand eingependelt und ich versuche dieses Erlebnis zu verarbeiten … Hütet euch vor Arno und seinem „sehr netten“ Besitzer!

Liebe Grüße sendet
Euer Mopsfreund Carlos Santana


Mein Sonnengesicht