Sonntag, 26. Mai 2013

Die Einsamkeit


Also – es ist Sonntag und eigentlich sollte ich mich ausruhen von den täglichen Herausforderungen und Prüfungen unseres Kiezes, die mir so auferlegt werden.Ich bin aber so empört weil ich die vergangenen Woche eigentlich nur alleine war – Tierschutz hilf! Alleine, unbeachtet, ungeliebt, un.. naja. Mir fällt nix mehr ein. Helft mir!

Von Montag bis Donnerstag waren wir 24 Stunden am Tag und in der Nacht zusammen, so gehört es sich ja auch! Gut, sie hatte nix mehr im Kühlschrank und sie musste auf Spontaneinkäufe bei unserem türkischen Freund zurückgreifen um überhaupt was zwischen die Zähne zu bekommen oder aber was bestellen, oder aber essen gehen. Tja, wie sag ich immer: Alles im Leben ist Koordination und Planung! Für sie offensichtlich nicht. Was heißt da Stress? Allerdings hab ich immer was zu fressen, darin ist sie einsame Spitze!

Diese Woche war SO furchtbar! Klar waren wir spazieren, auf der Hundewiese oder sonst wo. Aber immer in Eile, zwei Stunden für mich sind gar nix! Ich meine natürlich pro Gassigang. Klein-Lala war leider –oh, ich meine natürlich – wie erfreulich, also: Klein-Lala war *jubel* auch nachmittags bei uns und langsam denke ich, sie möchte mich um die Ecke bringen! Mag ein bisschen übertrieben sein, aber hört euch mal diese schaurige Geschichte an:

Ich stehe, wie so oft, ganz Herr der Lage und der Hundewiese, an einem kleinen Abhang über dem Spielplatz dort. Ich denke dann ich bin wie Winnetou, der sein Indianergebiet von einem Felsen aus überwacht,  so ganz entspannt und tooootal cool. Klar, er muss seinen Stamm beschützen und nach bösen Cowboys mit schrecklichen Absichten Ausschau halten. Ich möchte auch wie Winnetou sein, souverän, edel und ne Feder wäre auch nicht schlecht. Vielleicht verzichte ich auf sein Pferd, mal sehen. Ich stehe also da und schaue in die weite Ferne. Von hinten schleicht sich dieses unglückliche Wesen, meine Prüfung und mein Untergang, an mich heran. Klein-Lala! Sie hüpfte auf meinen Hintern und natürlich wollte sie, dass ich abstürze … ich empfand das Lachen der Zuschauer als äußerst schmerzhaft und beleidigend, mit letzter Kraft habe ich die Balance wieder gewonnen und nur meine Besonnenheit in Anbetracht des sich entfaltenden Dramas hat mich vor Schlimmeren bewahrt … einen Absturz in die Sandkuhle! 20cm können für einen Mops der Unterschied zwischen Wohlergehen und Desaster sein! So was!

Aber ich wollte mich eigentlich darüber beschweren, dass ich die vergangene Woche nur alleine war, ständig, immer. Freitag .. aha! Ich hab was reden hören von einem gewissen Herrn Vivaldi, logischerweise noch ein weiterer Italiener, klar steht sie auf die! Von einem Konzert im Französischen Dom. Aha! Wir verreisen nach Frankreich, dachte ich mir. Aber wo ist mein kleiner, persönlicher Koffer und ihr schrecklich großer? Sie blieb total entspannt, ein sehr widersprüchliches Zeichen. Dann fing sie an, sich zu schminken, ein weniger gutes Zeichen, dann kam mein Menschenbruder Walid im Anzug zu uns .. dann kam Yasmin mit Klein-Lala *große Freunde, naja* und zu diesem Zeitpunkt trug ich schon mein Geschirr. Sie leinte mich an, gab Yasmin die Leine in die Hand und ich sollte wohl  mitgehen? Wohin? Warum? Warum mit Klein-Lala? Warum ohne sie? Und überhaupt .. alles Fragen. Ich starrte sie vergebens mindestens 5 min lang an, hypnotisierend, was sonst seine Wirkung niemals verfehlt. Sie bricht dabei unweigerlich zusammen, die Kraft meiner Mopspsyche. Diesmal nicht. 

Also nahm mich Yasmin auf den Arm, trug mich durch den Garten und vor dem Haus lief ich dann wieder, so wie immer eben. Darf sie bloß nicht wissen ..und dann blieb ich bis spät nachts bei Klein-Lala und hatte einen richtig schönen Abend! Braucht sie auch nicht zu wissen. Ich wurde dann nach Hause gebracht und kurz danach kam sie an, total entspannt und glücklich, also, dieser Herr Vivaldi! Was hat er ihr angetan? Was immer es war, es hat ihr wohl gut getan. Vivaldi, mein Gott!

Und klar, sie erzählt mir das auch noch total entspannt, waren sie anschließend mit diesem doofen Vivaldi im Brauhaus, alle haben Haxe mit Rotkohl und Knödeln gegessen, nur sie mal wieder einen Salat! Haxe! Mein Lieblingsgericht wenn wir mit ihren Kollegen ausgehen, das ihrer Kollegen auch. Da fällt sonst immer was für mich ab, nur nicht, wenn ich eben zu Hause bleiben muss. Wie immer, wie so oft …

Am Samstag haben wir dann total entspannt länger geschlafen, ich seufzend und schnarchend in ihrem Arm. Wir hatten so ein bisschen die Heizung an, es ist schrecklich kalt und klar, der Regen. Das übliche Samstagsprogramm, Hundewiese, Gassi und so weiter. Und plötzlich war ich wieder alleine, ganz lange... zwei Stunden! Sie ging einkaufen, endlich und kam schwer beladen zurück. Inzwischen ist sie so klug, dass alle meine Einkäufe ganz oben in ihren Taschen liegen .. Knochen, hmmm .. Fleisch, auch nicht zu verachten und diese reinweg köstlichen Pansensticks. Naja. Ich habe dann gnädigerweise einen Knochen bearbeitet, immer sie im Auge, ob sie eventuell wieder ganz lange weg geht und mich alleine lässt.  Aber sie blieb bei mir, der Schaden allerdings ist  schon getan, wie soll ich den seelisch verkraften?

So lange alleine, unglücklich, was für ne Scheißwoche irgendwie. Sie ist selbstverständlich total geknickt und fühlt sich schuldig. Richtig so … und nachher geht sie auch weg, ohne mich. Sie faselt was von irgendwelcher Einladung zum Essen, bei der ich nicht dabei sein kann. Warum nicht? Ich nehme mal an, diese Woche der absoluten Isolation und des Alleinseins hat schreckliche Spuren auf meiner empfindsamen Mopsseele hinterlassen. Die Konsequenzen kann sie gerne tragen … wäre ich nicht so anständig, würde ich einen Riesenhaufen in unserer Wohnung hinterlassen, der absolute Protest! Ich bin am Überlegen …

Leidende Grüße von Eurem Mopsfreund
Carlos Santana