Also – es ist Sonntag
und eigentlich sollte ich mich ausruhen von den täglichen Herausforderungen und
Prüfungen unseres Kiezes, die mir so auferlegt werden.Ich bin aber so empört weil ich die
vergangenen Woche eigentlich nur alleine war – Tierschutz hilf! Alleine,
unbeachtet, ungeliebt, un.. naja. Mir fällt nix mehr ein. Helft mir!
Von Montag bis Donnerstag waren wir 24 Stunden am Tag und in
der Nacht zusammen, so gehört es sich ja auch! Gut, sie hatte nix mehr im
Kühlschrank und sie musste auf Spontaneinkäufe bei unserem türkischen Freund
zurückgreifen um überhaupt was zwischen die Zähne zu bekommen oder aber was
bestellen, oder aber essen gehen. Tja, wie sag ich immer: Alles im Leben ist
Koordination und Planung! Für sie offensichtlich nicht. Was heißt da Stress? Allerdings
hab ich immer was zu fressen, darin ist sie einsame Spitze!
Diese Woche war SO furchtbar! Klar waren wir spazieren, auf
der Hundewiese oder sonst wo. Aber immer in Eile, zwei Stunden für mich sind
gar nix! Ich meine natürlich pro Gassigang. Klein-Lala war leider –oh, ich
meine natürlich – wie erfreulich, also: Klein-Lala war *jubel* auch nachmittags
bei uns und langsam denke ich, sie möchte mich um die Ecke bringen! Mag ein
bisschen übertrieben sein, aber hört euch mal diese schaurige Geschichte an:
Ich stehe, wie so oft, ganz Herr der Lage und der Hundewiese,
an einem kleinen Abhang über dem Spielplatz dort. Ich denke dann ich
bin wie Winnetou, der sein Indianergebiet von einem Felsen aus überwacht, so ganz entspannt und tooootal cool. Klar, er
muss seinen Stamm beschützen und nach bösen Cowboys mit schrecklichen Absichten
Ausschau halten. Ich möchte auch wie Winnetou sein, souverän, edel und ne Feder
wäre auch nicht schlecht. Vielleicht verzichte ich auf sein Pferd, mal sehen.
Ich stehe also da und schaue in die weite Ferne. Von hinten schleicht sich
dieses unglückliche Wesen, meine Prüfung und mein Untergang, an mich heran.
Klein-Lala! Sie hüpfte auf meinen Hintern und natürlich wollte sie, dass ich
abstürze … ich empfand das Lachen der Zuschauer als äußerst schmerzhaft und beleidigend,
mit letzter Kraft habe ich die Balance wieder gewonnen und nur meine
Besonnenheit in Anbetracht des sich entfaltenden Dramas hat mich vor
Schlimmeren bewahrt … einen Absturz in die Sandkuhle! 20cm können für einen
Mops der Unterschied zwischen Wohlergehen und Desaster sein! So was!
Aber ich wollte mich eigentlich darüber beschweren, dass ich
die vergangene Woche nur alleine war, ständig, immer. Freitag .. aha! Ich hab
was reden hören von einem gewissen Herrn Vivaldi, logischerweise noch ein weiterer
Italiener, klar steht sie auf die! Von einem Konzert im Französischen Dom. Aha!
Wir verreisen nach Frankreich, dachte ich mir. Aber wo ist mein kleiner,
persönlicher Koffer und ihr schrecklich großer? Sie blieb total entspannt, ein
sehr widersprüchliches Zeichen. Dann fing sie an, sich zu schminken, ein
weniger gutes Zeichen, dann kam mein Menschenbruder Walid im Anzug zu uns ..
dann kam Yasmin mit Klein-Lala *große Freunde, naja* und zu diesem Zeitpunkt
trug ich schon mein Geschirr. Sie leinte mich an, gab Yasmin die Leine in die
Hand und ich sollte wohl mitgehen?
Wohin? Warum? Warum mit Klein-Lala? Warum ohne sie? Und überhaupt .. alles Fragen. Ich starrte
sie vergebens mindestens 5 min lang an, hypnotisierend, was sonst seine Wirkung
niemals verfehlt. Sie bricht dabei unweigerlich
zusammen, die Kraft meiner Mopspsyche. Diesmal nicht.
Also nahm mich Yasmin auf
den Arm, trug mich durch den Garten und vor dem Haus lief ich dann wieder, so
wie immer eben. Darf sie bloß nicht wissen ..und dann blieb ich bis spät nachts
bei Klein-Lala und hatte einen richtig schönen Abend! Braucht sie auch nicht zu
wissen. Ich wurde dann nach Hause gebracht und kurz danach kam sie an, total
entspannt und glücklich, also, dieser Herr Vivaldi! Was hat er ihr angetan? Was
immer es war, es hat ihr wohl gut getan. Vivaldi, mein Gott!
Und klar, sie erzählt mir das auch noch total entspannt,
waren sie anschließend mit diesem doofen Vivaldi im Brauhaus, alle haben Haxe
mit Rotkohl und Knödeln gegessen, nur sie mal wieder einen Salat! Haxe! Mein
Lieblingsgericht wenn wir mit ihren Kollegen ausgehen, das ihrer Kollegen auch. Da fällt
sonst immer was für mich ab, nur nicht, wenn ich eben zu Hause bleiben muss.
Wie immer, wie so oft …
Am Samstag haben wir dann total entspannt länger geschlafen,
ich seufzend und schnarchend in ihrem Arm. Wir hatten so ein bisschen die
Heizung an, es ist schrecklich kalt und klar, der Regen. Das übliche
Samstagsprogramm, Hundewiese, Gassi und so weiter. Und plötzlich war ich wieder
alleine, ganz lange... zwei Stunden! Sie ging einkaufen, endlich und kam schwer
beladen zurück. Inzwischen ist sie so klug, dass alle meine Einkäufe ganz oben
in ihren Taschen liegen .. Knochen, hmmm .. Fleisch, auch nicht zu verachten
und diese reinweg köstlichen Pansensticks. Naja. Ich habe dann gnädigerweise
einen Knochen bearbeitet, immer sie im Auge, ob sie eventuell wieder ganz lange
weg geht und mich alleine lässt. Aber
sie blieb bei mir, der Schaden allerdings ist schon getan, wie soll ich den seelisch
verkraften?
So lange alleine, unglücklich, was für ne Scheißwoche
irgendwie. Sie ist selbstverständlich total geknickt und fühlt sich schuldig.
Richtig so … und nachher geht sie auch weg, ohne mich. Sie faselt was von
irgendwelcher Einladung zum Essen, bei der ich nicht dabei sein kann. Warum
nicht? Ich nehme mal an, diese Woche der absoluten Isolation und des
Alleinseins hat schreckliche Spuren auf meiner empfindsamen Mopsseele hinterlassen.
Die Konsequenzen kann sie gerne tragen … wäre ich nicht so anständig, würde ich
einen Riesenhaufen in unserer Wohnung hinterlassen, der absolute Protest! Ich
bin am Überlegen …
Leidende Grüße von Eurem Mopsfreund
Carlos Santana