Sonntag, 8. Dezember 2013

2. Advent

Schon der 2. Advent! Wie immer rast die Zeit und der Winter ist nun wirklich da. Bibber! Weihnachten kommt mir Riesenschritten und meine WG-Partnerin ist total entspannt. Viel zu entspannt, boykottiert sie vielleicht Weihnachten? Ich traue ihr das zu, sie ist nicht so der Weihnachtstyp und lässt sich von der allgemeinen Hysterie einfach nicht anstecken. Außerdem ist sie vergesslich. Ich fürchte um meine Weihnachtsgeschenke, hoffentlich vergisst sie die nicht auch noch …

Mein Nikolausgeschenk ist angekommen, leider habe ich den Nikolaus nicht persönlich getroffen, obwohl ich auf der Lauer lag.  Sehr schade, denn ich habe vor ihm nichts zu fürchten, bin ich doch immer superbrav. Ich durfte mein Geschenk selbst auspacken, es war ein roter Regenmantel, sehr chic! Da es ständig regnet, bin ich nun allzeit warm eingepackt und trage sogar gezwungenermaßen die Kapuze. Immer noch besser als nass werden!

Diese Woche war so aufregend! Ich durfte ausnahmsweise die historischen Hallen der Humboldt Universität zu Berlin betreten, wo ich als Gastgeber einen Adventscafé für ihre Kolleginnen ausrichtete. Der einzige Mann unter 36 Damen! Mops, war das ein Stress bevor wir dort ankamen. Wir mussten noch Fressi, äh Kuchen abholen und so balancierte sie mich an der Leine und den Kuchen unter ihrem Arm durch den historischen Campus, alles sehr alte Gebäude und sehr imposant. Am Eingang flippte ich aus – dort saß ein riesiger Mann auf einem hohen Podest, den ich wütend anbellte. Aber er blieb ganz ruhig und hatte keine Angst vor mir:



 Mein Kumpel Alexander von Humboldt
mit dem mich die Leidenschaft für die Wissenschaft verbindet


Wir betraten einen Riesensaal, von weitem hörten wir schon lautes Gelächter und schöne Weihnachtsmusik. Schnell wurde ich von meinem Wintermantel befreit und in meinen Smoking gesteckt. Dann wurden wir mit Hallo-Rufen begrüßt und ich von der Leine gelassen. Ein Fehler, wie sich bald heraus stellen sollte …

In der Mitte gab es ein sehr schönes, vielversprechendes Buffet, leider mehr Kuchen als sonst was, aber Mops kam trotzdem auf seine Kosten. Ich raste in dem Riesensaal herum, begrüßte die Damen, ließ mich streicheln, knuddeln und bewundern. Dann sah ich es – und flippte mopsmäßig aus! Da stand das Gerippe eines Riesentiers mit Geweih, an dessen Spitzen rote Weihnachtskugeln hingen und um dessen furchteinflössenden Körper eine Lichterkette gewickelt war. Schauderlich! Immerhin befanden wir uns im Institut für Zoologie, wie ich später heraus fand und das Riesentier war ein Elch. So groß wie ein Pferd .. ich ließ mich dann auch nicht mehr einfangen und bellte wie verrückt. 35 Damen fanden dies ganz süß, die 36. Dame war wenig begeistert ob meiner Soloeinlage. Leider ging dieser erbauliche Ausflug in die Hallen der Gelehrsamkeit viel zu früh zu Ende, bis zum nächsten Jahr dann! Also, ich hätte noch bleiben können, wurde aber rigoros abgeführt.

Und dann kam der Sturm .. eigentlich hätte ich müde sein müssen, aber ich konnte einfach nicht schlafen. Von draußen drangen schreckliche Geräusche in unsere Wohnung, der Wind pfiff um die Ecken und ich war mehr als gewarnt. Wer kann da schlafen? Ich versuchte es, schreckte aber immer wieder auf und bellte wie verrückt. So ging es bis in den frühen Morgen hinein, bis ich endlich erschöpft einschlief. Meine WG-Partnerin war total genervt, aber sie sollte froh sein dass ich ein richtiger Wachhund bin und meine Pflichten sehr ernst nehme.

Das Morgengassi kam unweigerlich und wir liefen bis zur Hundewiese, gebeutelt von Regen und Sturm. Dann kam auch noch ein Schneegestöber! Oh, der erste Schnee in diesem Winter! Ich war begeistert und jagte hinter den Schneeflocken her. Mühsam kämpften wir uns nach Hause zurück, wie gut dass ich dabei war und ihr den Weg zeigte. Ohne mich hätte sie sich schrecklich verirrt, vor allem weil sie von der schlaflosen Nacht total müde war. An diesem Tag ging gar nichts mehr und sie blieb zu Hause, war wohl auch besser so und ich musste mir damit keine Sorgen um sie machen.

Meine Kumpels sehe ich jetzt leider nur selten, meistens früh morgens wenn gebückte Gestalten im Regen mit ihnen spazieren gehen. Es wird ganz früh dunkel und während unserer Abendspaziergänge  mutiere ich wieder zum Kiezsherriff. Überall Verbrecher, überall Verdächtige! Unser friedlicher Kiez wird plötzlich zu einem Vorort von Chicago. Hoch motiviert beschütze ich sie vor allen möglichen Gefahren, was sie leider nur ungenügend zu schätzen weiß. Recht machen kann man es ihr eigentlich nie! Wenn uns dann noch zufälligerweise Blödmann Hanky begegnet, ist der Abend gerettet: Ich kann mich nochmals richtig ausleben und rege mich schrecklich auf bevor ich schlafen gehe. Sie wundert sich darüber, dass ich selbst im Dunkeln hervorragend sehen kann, im Gegensatz zu ihr möchte ich bescheiden anmerken. Auch hier ist gut, dass ich sie durch die Nacht begleite, wer weiß was ohne mich alles passieren würde.

Nächste Woche findet unsere offizielle Weihnachtsfeier vom Institut statt, wie sollte es anders sein natürlich in unserem schwäbischen Wirtshaus! Ich hoffe auf die bewährten Delikatessen und kann mich darauf verlassen, dass meine lieben Kollegen schon das richtige Menu auswählen werden. Bitte keine Bärlauchspätzle mit Walnüssen oder vegetarische Maultaschen mit Kartoffelsalat! Sonst trage ich mein bewährtes Weihnachtskostüm, ein rotes Geweih nicht und trete in den Weihnachtsstreik!

Dann gibt es noch eine Weihnachtsfeier, zu der ich nicht mitgehen darf - sehr ungerecht! Eigentlich unverständlich, denn dort treffen sich meine vielen Fans, in deren Büros meine Fotos an der Wand hängen. Ich werde an diesem Abend schmollen und sie wissen lassen, was für einen schrecklichen Abend ich ohne sie erleben musste. Aber eigentlich bin ich bei meinem Menschenbruder und seiner Freundin eingeladen, die auf mich aufpassen werden. Darauf freue ich mich schon heute, denn es besteht keine Gefahr, dass ich von den beiden in die kalte Nacht hinaus gezerrt werde. Meine Erfahrung sagt mir, dass maximal ein kleiner Pseudo-Gassigang um das Haus herum laufen wird, sehr sympathisch! Und ansonsten wird mal zur Abwechslung fern gesehen oder gemütlich gechillt und was Gutes gekocht!




Euer Mopsfreund
Carlos Santana