Ruhige Tage - Herbstwetter und relativ viel Sonne die mich auf meinen Rundgängen im Kiez erfreut, nette Menschen die sich für mich interessieren, mich ansprechen und streicheln, ach wie toll ist das denn! Ich hopple dahin im eifrigen Mopstrab, hier ein Pfützchen, dort einen größeren See hinterlassend, schnuppere mich durch die Straßen, freue mich dann auf zu Hause und mein Fressi und Knuddelsessions mit meiner Mama … das Leben ist schön!
Mein erster Gassigang morgens ist immer interessant. Ich rase raus nach einem guten Mopsschlaf, ausgeruht und manchmal noch leicht verschlafen, aber immer absolut begierig auf den neuen Tag und was er mir bringen mag und immer gut gelaunt – meistens laufen wir zu unserem kleinen Park und drehen dann eine große Runde durch unseren Kiez, schauen mal im Hundeshop vorbei, kaufen Brötchen oder Bananen, treffen nette Leute zum Quatschen oder trinken irgendwo Kaffee. Sehr friedllich alles …
Ratter, ratter macht es da – klapper, klapper – und ich drehe mich interessiert um. Oh, ein orangefarbener Lastwagen, das bedeutet meine netten Freunde von der BSR sind im Anfahren, sie holen den Müll in den Häusern ab und selbstverständlich bin ich sofort involviert – milde ausgedrückt!
Ich bleibe stehen – nein, ich bocke nicht mehr seit ich verliebt in Maike, die Hundeflüsterin bin. Ich bleibe einfach nur stehen!!!! Und von weitem beobachte ich, wie der Müllwagen mit einem großen Gescheppere näher kommt, während die Müllmänner schon mal fleißig voraus eilen, um die schweren Müllcontainer aus den Häusern auf die Straße zu bringen.
Ich warte dann auf meinen Freund, einen großen starken Mann mit einer Glatze, der immer total erfreut auf mich zustürzt und mich sofort streichelt. Und dann greift er in seine Tasche und bringt ein Leckerli zum Vorschein, manchmal auch zwei, die für mich ganz alleine sind. Er ist nämlich ein Mopsfreund und seit vielen Monaten ist er auf unsere morgendlichen Treffen gut vorbereitet! Ausgesprochen gut, würde ich mal sagen und ich wedle dann auch mit meinem Ringelschwänzchen, besser gesagt es wackelt so ein bisschen – es ist die größte Ehre, die ein Mops jemanden erweisen kann, denn es ist ganz schön schwer so ein Posthorn auf seinem Rücken zu bewegen! Viel Zeit hat er nie, denn sein Job ist stressig und schwer, aber er nimmt sich trotzdem ein paar Minuten Zeit für mich, jeden einzelnen Morgen. Ein Ritual … eines, das uns beiden gefällt und meiner Mama auch!
Ich wohne in einer großen Stadt in einem gemütlichen Kiez, der viele Charakteristiken hat, der grün ist nicht nur vom Äußeren her, in dem viele interessante Menschen leben und arbeiten und doch ist er nicht anonym, sondern sehr persönlich. So ähnlich wie in einem kleinen Dorf, denke ich mir oft und ich bin hier glücklich!
Wo sonst könnte es so wie gestern passieren, dass meine Mama –auf dem Weg zum Einkaufen und das leider ohne mich -, von vielen Leuten angesprochen wird, die sich alle nach mir erkundigen…und wo ist Carlos? Ist alles in Ordnung, hoffentlich ist er nicht krank ..geht es ihm gut? Meine Mama beruhigt die Leute dann, aber ist das nicht schön? Mitten in der Großstadt gibt es noch Leute, die sich um mich, den kleinen Mops Gedanken machen!
Ich mache mir ja auch Gedanken, lasse mich von der alten Dame streicheln, die ganz zittrig auf ihren Stock gestützt näher kommt und sich dann über mich freut. Sie bleibt stehen und wir reden mit ihr, sie bückt sich vorsichtig und streichelt mich.. und schon rollt da der junge Mann im Rollstuhl heran, es wiederholt sich alles, wir reden mit ihm und lassen ihn glücklich zurück. Gleich darauf kommt eine Kleinkindergruppe mit den Betreuern auf mich zu, auch hier lasse ich mich gerne streicheln, denn ich mag Kinder und springe immer ganz aufgeregt auf die Kleinen zu.
Wir begegnen einer Nachbarin, die jeden Morgen zur Physiotherapie läuft, denn ihr Rücken macht ihr Probleme – wir fragen sie, wie es ihr heute geht und sie freut sich. Dann kommt unsere russische Bekannte, die erst kürzlich ihren Mann verloren hat und wir trösten sie. Sie weint ein bisschen und das darf sie bei uns auch und dann geht sie nach ein paar Minuten lächelnd weiter .. und so treffen wir einen nach dem anderen aus unserem kleinen Kiez, alles liebe Menschen die Teil unseres Lebens sind.
Großstadtleben muss nicht anonym sein – mit einem Mops, sagt meine Mama, ist es das nie! Und manchmal hat sie sogar recht …
Habt einen schönen Tag und streichelt mal den einen oder anderen Hund, der Euch entgegen kommt ..
Euer Carlos
